• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

22. Gourmet & Wein Festival

Nach der Riesling Gala ist vor dem Gourmet und Wein Festival. Festivalleiter HB Ullrich hat dieser Tage das 22. Programm für die Zeit vom 22. Februar bis 11. März 2018 vorgestellt, und das ist zwischen Welcome Party und Haus- und Küchenparty wieder einmal aller Ehren wert. 40 Köche aus aller Welt zeigen ihre Kunst, und 443 Weingüter stellen ausgewählte Weine vor… das wird großartig. Ich muss mich jetzt erst einmal näher ins Heft vertiefen, welche Veranstaltungen für mich besonders interessant sind, Verkostungen von Lynch Bages, Rauzan Ségla und Pichon de Lalande gehören jedenfalls dazu…. ebenso Avignonesi und ein paar Barolos…. bei der Programvorstellung jedenfalls gab es mit Lynch Bages 1999, Arrowood Vineyards 2011 Chardonnay, Hartfort Court 2012 Land´s Edge Chardonnay, Avignonesi 2014 Il Marzocco sowie Weil 1997 Gräfenberg Spätlese und Staatsweingüter 1993 Steinberger Auslese jedenfalls schon mal höchst verheißungsvolle Perspektiven…

Riesling Gala, die 28.

In Frankreich wurde seit jeher getafelt, in Deutschland gegessen. Meist bieder und bürgerlich. In den ersten Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren deftig servierte Kalorien in deutschen Lokalen in der Regel wichtiger als Geschmack. Das änderte sich spätestens zu Beginn der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als Jörg Müller die kulinarische Verantwortung in der Küche der „Schweizer Stuben“ in Wertheim-Bettingen übernahm. Die „Schweizer Stuben“ galt in den Siebzigern gemeinsam mit dem Münchner Feinschmeckerlokal „Tantris“ und der „Ente vom Lehel“ in Wiesbaden als Ausgangspunkt eines deutschen Küchenwunders. Einer jener jungen ambitionierten Köche in der nach höchsten Ehren strebenden Küchenbrigade der Schweizer Stuben war Egbert Engelhardt, der 1984 in Oestrich-Winkel mit dem „Grauen Haus“ einen Michelin-Stern in den Rheingau brachte. Egbert ist einer der Väter der vor drei Jahrzehnten initiierten Riesling-Gala als kulinarischen Höhepunkts der Glorreichen Rheingau Tage. Insgesamt 28 Mal war Engelhardt seither künstlerisch-kulinarischer Leiter eines ungewöhnlichen Festivals der Genüsse. Diese Gala war sein Abschied und zugleich eine Hommage an die frühen Sternstunden deutscher Küchenkunst. Deutsche Kochlegenden zelebrierten für mehr als 600 Gäste ein formidables Sechs-Gang-Menü. Allen voran Altmeister Jörg Müller, aber ebenso Johann Lafer, Dieter Müller, Hans Stefan Steinheuer und Burkhard Schork. Engelhardt selbst stellte sich nach Jahren der kulinarischen Oberaufsicht wieder an den Herd und kredenzte mit seinem Team gegrillten Hummer. Jörg Müller leitete die Gala mit einem getrüffelten Geflügel-Gänseleber-Parfait im Baumkuchenmantel ein, Dieter Müller folgte mit einer Curry-Zitronengrassuppe, Schork mit einer feinen Perlhuhnbrust auf Polenta sowie Steinheuer mit Spessart-Reh in Nusskruste, ehe Johann Lafer mit einer Mousse von der Rheingauer Quitte mit cremigem Maroneneis den Schlusspunkt setzt. Mehr als fünf Stunden vergnüglicher Tafelfreuden, dazu an unserem Tisch beste Weine von Weil und Dr. Loosen.

Der „Hammer“ war der 1990 Graach Himmelreich Sekt brut… unbeschreiblich gut. Einsame Spitze der 2007 Turmberg trocken von Weil, dessen 2009 Gräfenberg trocken aus der Salmanazar und Loosens 2012 Würzgarten GG Réserve aus der Doppelmagnum. Groß!  

 

Rheingau open

…heißt die Jahrgangspräsentation des VDP im Zuge der Glorreichen Rheingau Tage und im stillvollen Rahmen von Schloss Johannisberg im Rheingau. Am Vortag der Riesling Gala fanden sich fast 70 ambitionierte Erzeuger im Fürst-von-Metternich- und im Spiegelsaal zusammen, um eine kleine Auswahl ihres Sortiments zu zeigen. Ich habe mich ganz auf die Großen Gewächse Nicht-Rheingauer Erzeuger konzentriert und war wieder einmal sehr angetan…. hier meine Favoriten, alles 2016 Riesling GG:

Heymann-Löwenstein Uhlen Laubach – Stinker in der Nase, aber grandios

Horst Sauer Am Lumpen – nicht ganz mein Fall, eher leicht, spritzig

Rings Saumangen – ganz großes Kino… klasse Balance !

Diel Goldloch – sehr gut, tänzerische Klasse mit Tiefgang

Knoll Stein – wird immer mehr zu meinem Liebling in Franken!

Dönnhof Felsentürmchen – fein, filigran, komplex, Trinkfluss!

Kühling-Gillot Kirchenstück – einer meiner Favoriten des Tages!

Dr. Loosen Himmelreich – dem Himmel so nah, grandios gut, Toptop

Forstmeister Geltz Ziliken Rausch Diabas – sooooo süffig… läuft !

VDP.Auktion.Réserve - was ist das denn?

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Mit einer Verknappung des Angebots, mit eigens gefüllten VDP.Auktion.Réserve-Weinen und mit einer Öffnung in die digitale Welt durch einen Live-Stream via geschlossener Facebook-Gruppe wollen die Prädikatsweingüter im Rheingau die lange Tradition der Weinauktionen bewahren und in die digitale Zukunft retten.

Mit der herrschaftlichen Weinversteigerung war im Frühjahr 1806 im Kloster Eberbach die Tradition der Weinauktionen in der alten Zisterzienserabtei begonnen worden. Schon 1897 hatte sich die "Vereinigung Rheingauer Naturweinversteigerer" gegründet, der Vorläuferin des VDP. Die Versteigerungen sind somit ein bedeutender Teil der Rheingauer Weinkultur. Ihre Bedeutung allerdings war immer wieder starken Schwankungen unterworfen, und aus einem rein ökonomischen Blickwinkel wäre der Aufwand heute verzichtbar. Mit einer Frühjahrs- und einer Herbstversteigerung der Hessischen Staatsweingüter, einer VDP-Versteigerung im September und einer Raritätenauktion in Zusammenarbeit mit dem Londoner Auktionshaus Christie's hatte es vor 20 Jahren im Rheingau noch vier Auktionen gegeben. Vom 10. März 2018 an gibt es nur noch eine, nachdem der VDP seine Herbstauktion abgesagt hat und sich der Auktion der Staatsweingüter im Zuge des Rheingau Gourmet und Wein Festivals angeschlossen hat.

Es ist die notwendige Anpassung an die Veränderungen des Weinmarktes, der Vertriebswege und der Gewohnheiten der Weintrinker. „Die Weinversteigerung passt eigentlich nicht mehr in die heutige Zeit“, sagt der VDP-Vorsitzende und Kiedricher Spitzenwinzer Wilhelm Weil. Die Aktion aufzugeben kommt für traditionsbewusste Winzer aber nicht in Betracht. Nun also der Neustart mit „VDP.Auktion.Réserve“. Weil spricht von „preiswürdigen und erschwinglichen“ Weinen von geprüfter Qualität und „mit hohem Trinkfluss.“ Dirk Würtz und Marc Barth haben eine geschlossene Facebook-Gruppe gegründet und sichten während der Auktion live alle Gebote, die sie an die Kommissionäre weiterleiten. Es bleibt aber dabei, dass allein die zehn zugelassenen Kommissionäre direkt Gebote für die 4452 Flaschen bei Auktionator Leo Gros abgeben dürfen. Für die rund 400 Gäste im Dormitorium von Kloster Eberbach bleibt weitgehend alles beim Alten. Vor allem bleibt es bei der populären Tradition der „nassen“ Versteigerung, bei alle angebotenen Weine vor dem Zuschlag verkostet werden können. Eine Ausnahme sind besondere Raritäten.

Spannend wird sein, ob in den kommenden Jahren noch der eine oder andere VDP-Winzer dazu stoßen wird, wenn das Konzept erst einmal etabliert ist. Zum Auftakt sind es zehn Weingüter einschließlich der Staatsweingüter, die fast die Hälfte aller 37 Weinpartien anbieten. Diese Partien umfassen bis zu 300 Flaschen Wein, es gibt aber auch Einzelstücke wie eine neun Liter fassende Flasche, die mit Kiedricher Gräfenberg des Jahrgangs 2004 aus dem Weingut Weil gefüllt ist. Die Staatsweingüter setzen mit einem Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder auf dem Jahr 1938 die Tradition des Benefizweins fort, der für einen guten Zweck versteigert werden soll. Ebenfalls aus dem Jahr 1938 stammt eine Riesling Trockenbeerenauslese aus der Schatzkammer der Staatsweingüter, die den Schlusspunkt setzen wird. Unter dem Strich somit mehr „Leistungsschau“, weniger Umsatz, dafür mehr Image, Marketing und Öffentlichkeitswirkung – wenn die Rechnung aufgeht.

Ich hatte die Gelegenheit, bei der Präsentation die meisten Weine schon mal verkosten zu dürfen, hier ein erster Eindruck.

2016 VDP.Auktion.Réserve als Riesling von Weil, Ress, Johannishof, Georg-Müller-Stiftung, als Spätburgunder von Allendorf, den Staatsweingüter, als Sekt von Barth, als Fehlanzeige bei Vollrads, Johannisberg und Prinz). Startpreis jeweils 12 Euro, also ein gehobener Gutswein oder so… der VDP spricht von „gehobener Ortsweinqualität“, was leider angesichts der neuen VDP-Pyramide total missverständlich ist… aber gut. Die Qualität ist gut, bei Weil und Ress sehr gut, bei der Müller-Stiftung mäßig weil sehr unpräzise und schwammig.

Sehr, sehr ordentlich der Höllenberg 2012 und 2015 der Staatsweingüter. Selbst ersteigern würde ich mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet die 9-Liter Flasche Weil Gräfenberg 2004 EG ( der beste trockene Gräfenberg seit 1999), das 2016er Rottland GG von Ress in der Methusalem-Flasche, den genialen 2013er Steinberger der Staatsweingüter sowie den 2016er Steinberger Kabinett und von Prinz die 2016er Jungfer Kabinett. Von der perfekten 2016er Weil-Auslese erst gar nicht zu reden. So, jetzt sind wir Weinenthusiasten am Zug. Der Anfang ist gemacht, wird spannend im März. Ich bin dabei. (siehe auch F.A.Z.)

Bordeaux, preis-wert

Es müssen nicht immer nur die großen Namen aus dem berühmtesten Anbaugebiet der Welt sein. Leider ist es allerdings so, dass an meinem Gaumen der Trinkfluss bei Bordeaux erst dann groß ist, wenn die Weine ordentlich gereift sind. Sie sind dann aber in der Regel nicht mehr auf dem Markt oder nur zu sehr hohen Preisen erhältlich. Die Zukunft eines jungen Bordeaux mit hoher Sicherheit voraus zu schmecken, das ist ein Experiment, das gelingen kann, das ich mir aber dennoch mangels ausreichend liquider Mittel erspare. Dennoch gibt es immer wieder bemerkenswerte unbekanntere Güter, die auch vergleichsweise junge Weine mit vergleichsweise gute Trinkreife offerieren. Dazu gehört ohne Zweifel das mir bislang weitgehend unbekannte, 23 Hektar große Weingut Château Les Bouzigues, etwa 30 Kilometer südlich von St. Emilion und 20 Kilometer östlich von Sauternes im südlichsten Teil des Bordelais gelegen. Die Böden gleichen laut Weingut denen im Südhang von St. Emilion, die Preise für die 35.000 Flaschen Rotwein aus den Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc aber nicht.

Wir hatten die Chance, drei Reserve-Jahrgänge (2005, 2009, 2010) und den Topwein „2010 Cru“ blind gegen 2009 Chateau Lagrange und 2009 Chateau Phélan Ségur zu probieren.

Château Les Bouzigues

2010 Reserve – sehr fruchtbetont, elegant mit gut integrierter, schmeckbarer Säure, leichte Anklänge von Pflaumenkompott, Aromen von Leder und Tabak, wirkt so jung wie er ist, noch leicht unfertig, aber mit guten Anlagen für ein langes Leben, 88P

2009 Reserve – sehr expressive, ausdrucksstarkes Bukett, opulente Frucht auch am Gaumen, unverkennbar aus einem warmen Jahrgang mit Schmelz und Kraft, fleischige Noten, schon sehr gefällig, weiche, feine Tannine, erstaunlich trinkreif, legt mit jeder Minute Luftkontakt an Klasse zu, einer der trinkanimierenden Topweine des Abends 91P

2005 Reserve – Die erste Flasche leider fehlerhaft, die zweite tadellos. Kraft und Eleganz gut vereint, aber auch eine merkliche Schärfe im Abgang, kein Schmeichler, sondern eher derb am Gaumen, könnte mit den Jahren noch deutlich besser werden, muss aber nicht, 89P

2010 Cru - sehr saftig, fast mollig, zupackend, überwältigend viel Cassis, aber dick aufgetragen, hochkonzentriert und fett, für Starkweintrinker eine wahre Freude, ich nenne das „Bettkantenwein“, gibt nur 925 Flaschen dieses Powerweins, der aber auch schon leicht oxydative Noten im Hintergrund zeigte, es fehlt zudem die Eleganz eines Klassikers, ein inspirierender Tastingwein, macht aber schnell satt und müde, gähn, 90+P

2009 Chateau Phélan Ségur – sehr verhaltene Frucht, noch deutlich zu jung, rauh, hart, vielleicht hat auch das nicht perfekte Glas zu einem minderen Geschmackserlebnis beigetragen, legt bei längerem Luftkontakt deutlich zu, unter dem Strich aber geringer Trinkfluss, 87P

2009 Chateau Lagrange – klassisch-guter Bordeaux von hoher Strahlkraft, sehr fruchtgetrieben, fleischig auf die positive Art, aber mit großem Tiefgang, komplex, fein integriertes Holz, vielleicht ein wenig zu viel Alkohol, leicht animalisch-feurig, gute Würze, Leder, Tabak, kräuteriger Unteron, reife Tannine, top, 91+P

Chat Sauvage, vertikal

Eine Freude, wenn uns Verena Schöttle auf der Liste hat, sobald es um eine Vertikale zurückliegender Jahrgänge der Johannisberger Rot.Wein.Gut-Gründung „Chat Sauvage“ von Günter Schulz geht. Insgesamt 13 Weine zwischen 2001 und 2015 hat die hoch sympathische Weinmacherin vor uns – und 3,8 Trillionen Fruchtfliegen - auf den Tisch gestellt, und die hochspannende Pinot-Noir-Reise ging von der Gegenwart in die Vergangenheit.

2015 „Rouge de Schulz Nr.1“ – megastarkes, neues Gewächs aus dem Lorcher Bodenthal-Steinberg, einer meiner absoluten Lieblingslagen. Sehr feine, rote  Früchte, hochelegant, edel,  finessenreich, kühler Zug, perfekte Säure, hohe Trinkanimation, schon jetzt erstaunlich zugänglich und charmant, absolut einer der besten Pinots der zurückliegenden Jahre… Rarität im Rheingau, wird womöglich versteigert, oder für anspruchsvolle 150 Euro verkauft. das klingt ambitioniert.  

2014 Rüdesheim Drachenstein – recht verschlossen, abweisend, will und braucht noch Zeit, aber recht gut veranlagt, gute Struktur, fester Körper.

2013 Rüdesheim Drachenstein – einer meiner Favoriten, fein verwobene Säure, hohe Eleganz, großartiger Trinkfluss, Finesse, Grazie, wunderbar!

2012 Rüdesheim Drachenstein – mit deutlichen Reifenoten, Kuschelwein, strahlt wohlige Kamin-Wärme aus, ein bisserl mollig vielleicht, aber lecker mit allen vom Pinot gewohnten Aromen… fein.

2011 Lorch Schlossberg – das letzte 1. Gewächs, das Chat Sauvage in dieser Kategorie vorgestellt hat, eigentlich schade, aber auch irgendwie verständlich (s.u.), sehr tiefgründig mit langem Nachhall, unverkennbar für das Jahr 2011 und die zügige Reife, die Weine dieses Jahrgangs sehr häufig durchlaufen, hohe Präsenz am Gaumen, Schmeichler, gut.

2010 Assmannshausen Frankenthal – das war wirklich kein Rotwein-Jahrgang, dafür aber recht ordentlich. Sehr reife Cassis-Noten, viel Leder, Tabak, gute Säure, aber nicht sehr harmonisch

2009 Assmannshausen Höllenberg – noch ein 1. Gewächs, sehr typisch für 2009, voll, stoffig, präsent, komplex, kraftvoll, mit fester Struktur, langem Nachhall, typische Cassis-Noten des Höllenberg.

2009 Rüdesheim Drachenstein – zeigt dem Höllenberg seine Grenzen auf! kühler Zug, ätherisch, kräuterige Noten, feiner Zug, sehr animierend am Gaumen, macht richtig Spaß, mehr davon! Viel mehr!

2008 Rüdesheim Drachenstein – nicht mein Wein, wirkt recht hart, roher Geselle, Kompottnoten aus roten Früchten, wie ich sie nicht so sehr mag…

2007 Rüdesheim Drachenstein – typischer Pinot aus einem warmen Jahr im Rheingau, gute Konzentration, eher üppig als betont elegant, feine rote Beerenfrüchte, Leder, auch florale Noten und ein wenig Orangenschalenabrief, seht nach 10 Jahr sehr gut im Glas, top

2006 Johannisberg Hölle – aus einem schwierigen Jahr einen guten Pinot erzeugt! sehr komplex, hoher Spannungsgrad, vielschichtig, viele getrocknete Früchte, ein wenig Kompott, aber dezent, gut.

2005 Pinot Noir Schiefer – großartiger Wein, salzig-kühles Naturell, gute Säure, viel Schiefer im Maul wie ich es liebe, klarer Zug, klares Finish, rauchige Note, etwas Leder, Kreide, ungemein Frisch und klar, toptop!

2001 Pinot Noir Rheingau – ehrwürdiger Grande, hat die besten Zeiten hinter sich, nicht nur Kompott, sondern auch Rumtopf, hochreife, gezehrt, aber noch nicht todmüde, aller Ehren wert, Ruhe in Frieden!

Unter dem Strich ein eindrucksvolle Line-up, mit 2005, 2009 Drachenstein, 2013 und 2015 Rouge de Schulz als meinen klaren Favoriten, die ich nur zu gerne im Keller liegen hätte. Viel davon. Auf die Jahrgangsprobe im November bin ich schon jetzt gespannt.

Nachspiel: Chardonnay Clos de Schulz 2015, 2011 und 2007 …sehr eindrucksvolle Reihe, klare Handschrift, sehr cremig, elegant, Finesse, Zitrus, dezentes, aber merkliches Holz (für mich sehr angenehm), 2015 schon erstaunlich zugänglich (da gab es schon andere, holzbetontere…), 2011 schon jetzt in Topform, 2007 mit erstaunlicher Frische, als Jahrgang nicht erkennbar, klasse!  

Kurz mal an die Mosel!

Endlich mal wieder Zeit für einen Kurztrip mit guten Freunden an die Mosel. Und bei Dr. Loosen in Bernkastel wie immer herzliche Aufnahme gefunden!  Baulich hat sich das Weingut beeindruckend weiterentwickelt. Der Anbau mit seinen Verkostungsräumen ist stilistisch sehr gelungen. Das ist mit Worten schwer zu beschreiben, das muss man gesehen haben! Und die Weine muss man getrunken haben, aber das ist vielleicht weniger überraschend. Beispiel 2016 Rotschiefer trocken. Ein fein balancierter VDP.Gutswein mit durchaus dichter, fein gewobener Mineralität. Kein Leichtgewicht, sondern ein fester, ernsthafter Riesling von großer Finesse. Nicht minder fein der VDP.Ortswein, der bei Dr. Loosen aus Graach kommt und den tiefgründigen Schieferboden sehr gut wiederspiegelt. Dezent kräuterige Noten im Hintergrund, saftige, gelbfruchte Aromen mit leicht erdigen Anklängen im Vordergrund, stoffig, gute Struktur und Balance. VDP.Erste Lage-Weine sucht der Weinfreund an der Mosel ja vergebens, denn hier herrscht die Dreistufigkeit vor. Bei Dr. Loosen wird das durch das Preisgefüge abgemildert, denn 17 Euro für das Bernkasteler Lay-GG aus VDP.Großer Lage sind eine Einladung zum Sofortkauf. Wir hatten das Vergnügen, das 2015 Würzgarten GG neben der 2012 Würzgarten GG Réserve verkosten zu dürfen und waren hin und weg. Die cremige Textur und schöne Reife der Réserve waren eine gut schmeckbare Steigerung des vom Vulkangestein geprägten, komplexen GGs, das voll exotisch-würziger Aromen daherkam, unter anderem mit Grapefruit, und Mirabelle. Und die Süßen? Ja, natürlich Lay Kabinett, Wehlener Sonnenuhr Spätlese, 2013 Beerenauslese, was soll ich sagen: Alles gut!

Wer anschließend durch Bernkastel-Kues spaziert, um seine Eindrücke zu sammeln, dem sei die Tresor-Weinbar (Gestade3b) empfohlen. Das ist fern der altbackenen Mosel-Litanei, auf die man noch an zu vielen Orten stößt (für meinen Geschmack übrigens auch in der Mosel-Vinothek am Weinmuseum, obwohl dort 140 Weine zu verkosten sind…), ein netter Ort zum Verweilen mit sehr freundlichem Personal. Top! Das 2014er Wegeler Bernkasteler Doctor GG erwies sich als idealer Nachmittagswein… Die Weinstube des Reichsgrafen von Kesselstadt in Trier war am Folgetag ein ebenso schöner Stopp, zum kleinen Lunch ein 2016er Kasler Kabinett trocken, das passt. Wie fast immer übernachten wir an der Mosel im Gästehaus des Weinguts Clüsserath-Weiler in Trittenheim, vor Verena Clüsserath jetzt ganz für den Weinausbau zuständig ist. Eine Zäsur, die sich in einem neuen, ganz hübsch geratenen Etikett wiederspiegelt. Wer die Chance und die Muse hat, nutze den Abend, um sich von ihrem Mann Raphael Ianniello höchst professionell kulinarisch verwöhnen zu lassen, der unter anderem bei Johann Lafer gelernt hat und Großartiges auf den Teller zaubert. Wir haben zuvor die 2016er trocken und halbtrocken verkostet (HC, Trittenheimer Apotheke pur, „Alte Reben“ und „Primus“ sowie Mehringer Zellerberg „Terra Rossa“) und neigen bei der Gesamt-Bewertung ausnahmsweise eher „Eichelmann“ als „Gault Millau“ zu. Der „HC“ ist wieder ein saftiger, fruchtbetonter, klar-frischer Gutswein mit Charme, die „einfache“ Apotheke ganz großartig geraten mit salzig-kühler Note und zurückhaltender Opulenz, die sollte man im Keller haben! Die „Alten Reben“ leider einen Tick zu süß, ebenso der noch recht verschlossene „Primus“, der noch Zeit zur Entwicklung braucht. Und der „Fährfels“ aus bald 120 Jahre alten, wurzelechten Reben wieder einmal ein Monument der Mittelmosel.

Alkoholfreier Wein

Jetzt hat die Weinwelt endlich ihr „Clausthaler alkoholfrei“. Der ernsthafte Rüdesheimer VDP-Renommierwinzer Leitz hat mit „Eins, zwei, zero“ einen alkoholfreien Riesling auf den Markt gebracht. Optisch schick in der Anmutung eines richtigen Weines, im Handel für immerhin 6,99 Euro erhältlich. Für Schwangere, Moslems und andere Zielgruppen sicher sehr interessant. Die positiven Seiten: das Getränk schmeckt nicht wirklich schlecht, es ist nicht süß und es hat die Säure des Rieslings. Die negative Seite: es fehlt überall an Geschmack: Im Bukett, am Gaumen, im Abgang. Aber wer weiß, vielleicht hat in 20 Jahren jeder bedeutende Erzeuger auch „bleifrei“ zusätzlich im Angebot und wird finden das genauso gut wie alkoholfreies Hefeweizen im Hochsommer. Clausthaler mögen wir bis heute nicht….

EG und GG 2016

Erste und Große Gewächse, Jg. 2016

Alles Riesling, alles 2016, alles EG/ GG-Qualität… das war das Motto der 102. Probe der Weinloge „Die Kranenmeister zu Oestrich im Rheingau“. Eine hochinteressante Probe vor dem Hintergrund, dass die Rheingauer VDP-Betriebe seit 2012 keine Ersten Gewächse, sondern nur noch Große Gewächse produzieren, und dass die Bedeutung der Ersten Gewächse immer weiter zurückgeht (siehe dazu weiter unten im Blog meine ausführlichen Kommentare um GG/EG-Jahrgang 2016). Weil der Markt für edelsüße Weine immer weniger Bedeutung hat fällt letztlich das Urteil über den aktuellen Jahrgang Ende August des Folgejahres mit der Vorstellung der trockenen Spitzen… Schlechte Jahrgänge gibt es ja schon seit 1988 nicht mehr, und ja, 2016 hat das Zeug dazu, vielleicht die Reihe der großartigen weil „mittleren“ Jahrgänge 2001, 2004, 2008, 2010, 2013 fortzusetzen. Das beurteilen braucht aber noch ein wenig Zeit, doch die Ansätze sind da, wie die Blindverkostung der nachfolgenden Flights gezeigt hat:

Bergweine

Robert Weil: 2016 Kiedrich Gräfenberg GG

Fred Prinz: 2016 Hallgarten Jungfer GG

Laquai: 2016 Lorcher Schlossberg EG

Wagner-Stempel: 2016 Scharlachberg GG

Brunnenlagen

Ress: 2016 Wisselbrunnen GG

Staatsweingüter: 2016 Erbach Marcobrunn GG

Schloss Schönborn: 2016 Hattenheim Nussbrunnen EG

Wittmann: 2016 Morstein GG

Riesling-Schlösser

Schloss Johannisberg: 2016 Silberlack GG

Schloss Vollrads: 2016 Schloss Vollrads GG

Schloss Schönborn: 2016 Hattenheimer Pfaffenberg EG

Schlossgut Diel: 2016 Pittermännchen GG

Rüdesheimer Berg

Schloss Schönborn 2016 Rüdesheimer Berg Schlossberg EG

Leitz 2016 Rüdesheim Rosengarten GG

Allendorf 2016 Rüdesheim Roseneck GG

Kühling-Gillot 2016 Nackenheim Rothenberg „wurzelecht“ GG

Fazit: Laquai hat 2016 meines Erachtens tatsächlich das beste EG erzeugt, das es mit den GGs aufnehmen kann. In anderen Anbaugebieten außerhalb des Rheingaus erzeugen die Spitzenweingüter „extremere“ GGs mit wilderen Aromen, „Stinker“ und mehr, die die regionale Zuordnung erschweren und mehr Handschrift als Terroir zeigen. Weils Gräfenberg war wieder mal einer meiner Favoriten, aber in diesem Stadium nur unmerklich besser als Laquai (zum halben Preis, übrigens, Kaufen!) Unter den Schlössern hat Johannisberg klar die Nase vorn. Und Allendorf wird immer besser.

A priori, Laudate, Episcopus!

Peter Perabo gehört zu den außergewöhnlichen Weinmachern des Rheingaus … und darüber hinaus. Für das Bischöfliche Weingut in Rüdesheim war es insofern ein Glücksfall, als Perabo in einer Phase der Unsicherheit während des Verkaufs der Assmannshäuser Krone (- … dass der Ruhrpott-Unternehmer, der seinerzeit die Krone kaufte, kein Interesse am Weingut zeigte, das war schon ein früher aber leider beredter Hinweis auf sein späteres Scheitern im Rheingau!) einen neuen Betrieb suchte. Unter seinen Fittichen haben die Weine enorm an Qualität gewonnen. Dass die mediale Aufmerksamkeit dennoch vergleichsweise zurückhaltend ist, das ist kaum verständlich. Perabos Gespür für große Pinots haben sonst nur ganz wenige im Rheingau, und seine Rieslinge sind flüssige Handwerkskunst auf hohem Niveau – auch wenn die Sortiments- und Preisgestaltung einer nachvollziehbaren Logik entbehren. Aber das schadet ja am Gaumen nicht. Der war bei der jüngsten Sortimentsverkostung entzückt…

2016 A priori Riesling trocken – das ist der feinfruchtige Einstieg in eine Weinkollektion, wie sie zu diesem Preis (7 Euro) nur wenige Weingüter bieten können. Klassisch Rheingau, klar, straight, nicht nur Frucht, sondern schmeckbare Finesse mit Zug und Grip!

2016 Rüdesheim QbA – der Ortswein aus Rüdesheimer Lagen, zum Teil im Holzfass ausgebaut und spontan vergoren, mineralisch, kühler Zug, feine Salzigkeit am Gaumen, hoher Trinkfluss, viel Wein fürs kleine Geld, top.

2016 Laudate – der erste von eigentlich 7 (!) Spitzenweinen des Jahrgangs zwischen 12 und 18 Euro – und der einzige, der mich ein wenig ratlos bleiben lässt…ich habe zwei Flaschen zur Nachverkostung mit genommen…viel Kiwi, Stachelbeere, gute Substanz

2016 Episcopus – der „Bischofswein“ als spontan vergorene Lagencuvée... sehr gut komponiert, mit Zug und Finesse, hohe Präsenz, Druck am Gaumen, aber kühler Zug wie alle Perabo-Weine, denen Überreife absolut fremd ist…

Die Lagenweine: Schlossberg-Katerloch, Schlossberg-Ehrenfels, Roseneck, Rottland, Rottland 1960… es ist eine wahre Freude, sich  hier durch die Kollektion durchzutrinken, und es bleibt am Ende die Qual der Wahl und natürlich eine Frage des Geschmack, wem der Vorzug zu geben ist. Für mich war es das „Katerloch“, das der gesamten Kollektion die Krone aufsetzte mit seinen feinsten Schiefernoten. Ein Wein der puren Eleganz und Trinkfreude, und überdies ein Wein – und nicht nur der – der es mit etlichen Rheingauer Ersten und Großen Gewächsen leichthin aufnehmen kann.

Die Rotweine

… noch ein schneller Blick auf die Pinots. Die 2014er sind eine Wucht. Schon der „einfache“ 2014 Assmannshäuser zeigt sehr schöne Cassis-Noten, ein wenig Graphit, etwas Lakritz, toller Nachhall, groß. 2014 Rüdesheim Pinot Noir „S“ hingegen deutlich fordernder, mehr Substanz, Kreide, Kirsche, Asche, feinste Schiefernoten, sehr elegant und präzise am Gaumen, hat ne große Zukunft. Und 2015: die ersten Faßproben versprechen großes Pinot-Kino, und wenn der Assmannshäuser „S“ erst einmal auf der Flasche ist, dann muss jeder zugreifen, feinen Späbu zu schätzen weiß.

Aus dem Verkostungstagebuch

Nils Henkel ist angekommen auf Burg Schwarzenstein, und seine beiden Menüs Fauna und Flora kommen gut an. Zwei Sterne scheinen durchaus möglich, wenn im Herbst die neuen Bewertungen des Micheln kommen, das ist zumindest mein Eindruck nach der Sechs-Gang-Variante von „Fauna“ die – vielleicht bis auf das Dessert – mich rundweg überzeugt hat. Die Speisenfolge lässt sich über das Internet nachsehen, hier folgt aber jetzt nachrichtlich die Weinbegleitung, die diesmal ganz dem Sommelier überlassen blieb. Unabhängig von einer Einzelbeurteilung der Weine, die ich mir hier erspare, ist die zentrale Botschaft, dass die Harmonie von Speise und Wein charmant erreicht wurde – vielleicht bis auf das Dessert - mit Weinen, die ich mir sonst wohl nie bestellt hätte. Aber genau dafür ist der Sommelier ja da. Hier hatte er seinen großen Auftritt:

Duval-Lerory Champagne

2006 Clos des Bouveries extra brut – sehr eleganter Schampus, reiner Chardonnay aus Einzellage, ganz fein und der richtige Einstieg ins Menü!

Bernhard Fouquet

2016 Cuvée de Silex Vouvray Chenin blanc

Demeter Zoltan

2015 Ösz – Hegy

Michael Teschke

2014 Sylvaner von der Dünnbach

Pierre Luneau Papin

2013 „Froggy“ Muscadet Sevre & Maine Sur Lie

Lustau

Medium Dry Blend of Amontillado Los Arcos Jerez Sherry

Chave Pere & Fils, Mercurol

2015 le Rouvre Crozes Hermitage

Frederiksdal

Vin AF Kiresbaerg Rancio Danmark (Kirschwein)

und was war sonst?

Prinz von Hessen

2015 Winkeler Jesuitengarten Riesling GG – es tut sich was, beim Weingut des Landgrafen, und die Tendenz zeigt aufwärts

Georg-Müller-Stiftung

2011 Schützenhaus Riesling GG – sehr ordentlich, aber auch kein Überflieger und den GGs

Klumpp, Bruchsal

2015 Himmelreich Riesling trocken – fein, elegant, präzise, salzig, mit sehr gutem Trinkfluss

Talenti Trentennale 2011 Brunello die Montalcino – ich bin ja kein soooo großer Sangiovese-Freund, aber das ist gut. Richtig gut!

Musso

2012 Veneto Rosso Limited Edition Pomea – mit gutem Druck am Gaumen, präzise, geschliffen, macht Spaß

Christopher, Oregon

2011 Dundee Hills Pinot Noir unfiltered – einer der feinen Oregon-Pinots, ganz auf der eleganten Seite mit Finesse und Frucht

Chardonnay im Rheingau? Mehr davon!

Die „Mariannenaue“ ist mit 84 Hektar die größte Insel im Rhein und seit jeher Privatbesitz. Vor etwa 10.000 Jahren entstand diese eiszeitliche Ablagerung der bayerischen Kalkalpen. Wer einen Spaten nimmt und in die Tiefe gräbt, stößt auf typisch-weißen kalkhaltigen Tonmergel. Seit ein paar Jahren gehört der ungewöhnlichste Weinberg des Rheingaus der Pfälzer Winzerfamilie Lergenmüller, die das Kleinod im Paket mit dem Weingut Schloss Reinhartshausen erworben hat. Weinbau gab es schon im Mittelalter. Schon 1978 begann Verwalter Karl-Heinz Zerbe auf dem Eiland gegen Widerstände der Behörden mit der ersten Anpflanzung von Chardonnay in Deutschland. Ein Experiment, das gelang. Schrittweise wurde die Rebfläche auf bis zu 23 Hektar vergrößert. Längst wachsen hier auch andere Reben wie Riesling, Weißburgunder und Silvaner, zudem Hopfen für Bier, und es gibt sogar Insel-Gin. Chardonnay wächst hier noch immer, aber längst nicht nur! Doch während Sauvignon blanc inzwischen wie Unkraut wächst, gibt es nur wenige Chardonnay-Erzeuger, die der Rebsorte auch ordentliche Wein abringen. Eine Vergleichsprobe mit Piraten sollte deshalb zeigen, was im Rheingau möglich ist… und ob Chardonnay  hier der Mühe lohnt….

Künstler 2016 Chardonnay Barrique – noch sehr jung, recht verschlossen, zeigt aber gute Ansätze von Finesse und cremiger Eleganz, hat eine große Zukunft vor sich, sehr gut.

Künstler 2016 Chardonnay Kalkstein trocken – gute Säur, klassische Typus mit guter Balance, straff, guter Zug, noch viel zu jung, aber ein Wein mit Potential

Jakob Jung: 2011 Chardonnay trocken Barrique – der vorerst letzte in der Reihe der Barrique-Chardonnays, gut gereift, Cremig, kühler Zug, salzige Noten

Jakob Jung: 2015 Chardonnay unoaked – rund, fein, leichte Cremigkeit, große Frische, easy drinking, sehr rund und weich, klasse Preis-Leistungs-Verhältnis, aber ohne die Ernsthaftigkeit eines großen Chardonnay

Chat Sauvage: 2015 Rheingau Chardonnay – wirkt recht verschlossen, geradezu asketisch, präzise, geschliffen, sehr trocken, sehr fordernd, allenfalls mittlerer Trinkfluss, großes Potential

Chat Sauvage: 2015 Clos de Schultz Chardonnay – ebenfalls zu jung, aber recht fett, ausdrucksstark, hohe Präsenz, druckvoll mit Charakter, gut

Hans Lang 2015 Chardonnay – eigentlich nicht als Chardonnay erkennbar, säurereduzierter Weißwein, wirkt sehr reduktiv ausgebaut, merkliche Süße, ein Wein zwischen allen Welten…

Schloss Reinhartshausen 2016 Chardonnay „Thanks Bob“ …sozusagen ein Dankeschön an Robert „Bob“ Mondavi – fantastisches Rebsorten-Bukett in der Nase, doch das wird am Gaumen leider nicht eingelöst, reißt schnell ab und hinterlässt leichte Bitternoten, wenig harmonisch.

Bernhard Huber – 2014 Bienenberg Chardonnay GG – tat sich blindverkostet sehr schwer in der Runde… die sprach von verbranntem Gummi, giftiger Zitronensäure, grünen Aromen, kräftiger Salzigkeit, geringem Nachhall…. mit der Erkennbarkeit des Etiketts nahm der Respekt exponentiell zu….“vielleicht doch ein großer Wein“… oder ein Flaschenfehler….?!?

Schätzle 2015 Chardonnay – Baden=Burgunderland? jedenfalls sehr frisch, viel Säure, Maracuja, Ananas, auch viel Zitrus, wenig Holz, nicht meine Idee von  Chardonnay vom Kaiserstuhl, sorry ….

Samuel Billaud 2014 Chablis Premier Cru Montée de Tonnerre – gut, “anders” als die anderen, Minze, Eukalyptus, ätherische Noten, sehr fordernd, aber durchaus auch elegant, Trinkfluss eher gering

Moreson 2015 Chardonnay Mercator – einer meiner aktuellen Liebling aus Südafrika, hat alles, was für mich ein großer Chardonnay braucht, hohe Dichte und Konzentration, druckvoll, präsent, cremige Eleganz, ideal für Liebhaber gut verwobenen, aber merklich spürbaren Holzes, sehr geringe Säure, nicht zu dick, aber auch nicht belanglos, klasse !

Das Fazit lautet gleichwohl, dass Chardonnay eine (gute) Zukunft im Rheingau hat, vor allem auf Böden mit einem möglichst hohen Kalkanteil.... aber bitte nicht als säurearme Riesling-Alternative so nebenbei ausgebaut, sondern als eigenständiger Charakterwein, der eine Zierde für die Rebsorte ist und all das zeigen kann, wofür Chardonnay steht: eine der besten Weißweinrebsorten der Welt.   

Erstes Gewächs Rheingau

Vier Tage im August! An diesen vier Tagen fällt aus Rheingauer Sicht das finale Urteil über den Weinjahrgang 2016, denn samstags zeigt der VDP Rheingau eine Auswahl der Großen Gewächse. Sonntags legt der Rheingauer Weinbauverband mit den Ersten Gewächsen nach, und in Wiesbaden werden GGs aus allen Anbaugebieten einschließlich Rheingau drei Tage lang erschnüffelt, geschlürft und bewertet.

Im Rheingau testet der Weinbauverband fast jedes Jahr ein neues Konzept, einen neuen Termin und/ oder einen neuen Ort, um seine Ersten Gewächse vorzustellen. Die ideale Konstellation kann es vermutlich gar nicht geben, aber Burg Schwarzenstein war diesmal als stimmungsvoller Ort gut gewählt. und die lockere Art einschließlich Selbstbedienung war passend, weil sie jedem sein eigenes Verkostungstempo ließ – und meines war und ist zugegeben zügig.

Natürlich würde sich der Weinbauverband mehr mediale Aufmerksamkeit wünschen, aber das ist illusorisch. Tatsächlich muss sich der Verband durchaus Sorgen machen, wie es mit den 1999 erstmals vorgestellten „Ersten Gewächse“ weitergeht, nachdem die Rheingauer VDP-Güter seit 2012 ihre eigenen „GG“-Wege gehen. Im Weinjahr 2016 haben sich bislang nur 24 Erzeuger beteiligt und auf Burg Schwarzenstein 30 Erste Gewächse vorgestellt, die für eine Gesamtmenge von lediglich 22.500 Liter stehen. Das ist sehr wenig. Eine solche GG-Menge erzeugen einige größere VDP-Betriebe inzwischen ganz allein.

Beunruhigend ist vor allem die Tendenz: Im vergangenen Jahr waren es noch 30 Weingüter mit 40 Ersten Gewächsen und einer Menge von mehr als 27.000 Litern, im Jahr 2014 immerhin 32 Weingüter mit 37 Weinen und einer Menge von 32.000 Litern. Mit den Jahrgangsunterschieden allein lässt sich das nicht erklären.

Es sagt zudem viel aus über Marktbedeutung, über die Absatzzahlen bei den Weingütern, die ökonomische Bedeutung im Sortiment und die Relevanz in der Weinwelt. Das alles sagt aber noch nichts über die Qualität… also verbrenne ich mir hier mal wieder die Finger und den Mund: natürlich gab es wieder Licht und Schatten. Beginnen wir mit dem Licht. Das strahlte wieder einmal in der äußersten westlichen Ecke des Rheingaus am hellsten. Diesmal allerdings ist es Laquai, der mit einem großartigen, fein strukturierten und gut balancierten Lorcher Schlossberg den Vogel abschießt, 93P. Einen Wimpernschlag dahinter sehe ich den Bodental-Steinberg, 92P, von Mohr/ Familie Neher (die Lorcher Krone ist leider etwas zu süß geraten und wirkt dadurch weniger präzise) und den feinfruchtig-klaren, dabei ausnehmend mineralischen Pfaffenwies Riesling, 92P, von Altenkirch. Ziemlich gut sind zudem die beiden mineralisch-eleganten und strahlenden „Kläuserwege“ von Goldatzel und von Sohns ausgefallen, je 90P. Diese Lage mit ihrem Löß-Lehm-Boden kann was, auch wenn ihr Bekanntheitsgrad gegen Null tendiert. Und das Alterungspotential ist nach meinen Erfahrungen mit Weinen früherer Jahrgänge sehr beachtlich.

Ein leidiges Thema war wieder einmal der Zucker im Glas. Leider ist es vielen EG-Erzeugern nicht auszutreiben, Weine mit mehr als neun Gramm Zucker vorzustellen. Der einzige Betrieb, der das wenigstens einigermaßen gekonnt tat, war der Sieger der jüngsten Schoppen-Trophy, Trenz in Johannisberg, dessen Hasensprung und dessen Mittelhölle zwar beide nur knapp unter zehn Gramm RZ blieben, aber jeweils mit einer gut integrierten Säure von über acht Promille ausgestattet waren. Im Mund passte das sehr ordentlich. Ob man diese Stilistik einem Ersten-Gewächs zuordnen will, das lasse ich mal dahingestellt, aber die Weine zeigten sich mit viel Schmelz, Finesse, guter Säure, betörender Frucht und auch mit gutem Trinkfluss. Deutlich faszinierender fand ich allerdings die beiden Ausrufezeichen, die der Hattenheimer Stefan Gerhard gesetzt hat. Knochentrocken, präzise, scharf wie ein Samurai-Schwert. Vor allem der Wisselbrunnen gefiel mir gut, das Schützenhaus ist fast ganz durchgegoren und schon fast zu karg geraten. Positiv erwähnenswert sind darüber hinaus der straffe, dichte Siegelsberg von Crass und das Kirchenstück von Himmel, das einfach „charming“ ist. Für eine sehr positive Überraschung sorgte Schreiber aus Hochheim, ebenfalls mit einem Kirchenstück von pikanter Würze, zupackender Art, animierend, mit gutem Trinkfluss. Schließlich noch das altehrwürdige Schloss Schönborn, allerdings nur mit dem Nussbrunnen. Aber der hatte es mit seiner Substanz und Mineralität in sich und ist eine gute Werbung für die Güte der Hattenheimer Brunnenlagen.

Namentlich nicht erwähnen will ich jene Winzer, die Weine vorgestellt haben mit fast zehn Gramm Restzucker und weniger als sieben Promille Säure. Wie das geschmeckt hat, will ich nicht weiter ausbreiten. Allerdings richtet das den Blick auf die Jury. Da besteht offenbar durchaus die Gefahr, dass Weine auf höherem Niveau analog zur Landesweinprämierung geprüft werden und somit eher belanglose Mainstream-Weine durchrutschen, während Charakterweine mit Ecken und Kanten Gefahr laufen, durchzufallen. Diese Gefahr bestätigte sich für mich schon durch die zwischenzeitliche Verkostung eines der durchgefallenen EG-Kandidaten, der meines Erachtens zwei Drittel der akzeptierten und in Johannisberg gezeigten EGs glatt in die Tasche gesteckt hätte. Das kann nicht sein.

Bei den Rotweinen gab es nur einen einzigen (!!!) Wein: ein Langenstück von Ernst in Eltville. Auch das sah schon einmal ganz anders aus. Wenn der Bedarf nicht (mehr) da ist, sollte man die Kategorie gleich ganz streichen… oder wie will man das dem breiten Publikum erklären, dass der ganze Rheingau nur ein einiges rotes Erstes Gewächs hervorbringt, und das aus dem Eltviller Langestück… ?!? Ansonsten habe ich etliche Weingüter vermisst, angefangen von Schumann-Nägler über Koegler bis zu Schloss Reinhartshausen und noch etliche mehr… Auch darüber muss sich der Verband Gedanken machen in einer Zeit, in der das Erste Gewächs offenbar kein Selbstläufer (mehr) ist… Zwar gibt es interessante Gedankenspiele, welche Zukunft das Erste Gewächs einmal haben könnte… doch das muss allmählich auch mal konkrete Formen annehmen.

Große Gewächse Riesling

Große Gewächse – Riesling

Wie immer beginnt in der Pfalz die Solaris-Lese, wenn im Rheingau das endgültige Urteil über den aktuellen Jahrgang fällt, denn dann werden im Rheingau die Ersten Gewächse (Bericht folgt, GGa s.u.!) und in Wiesbaden die VDP Großen Gewächse vorgestellt werden – wie gewohnt mustergültig organisiert, auch wenn es bei den Einladungen im Vorfeld bei paar Irritationen und Ungereimtheiten gab. Schwamm drüber. 2016 war wieder ein Jahr der Extreme und der Herausforderungen, erst viel zu nass, dann eigentlich viel zu trocken. Aber es gab – wie immer – Wein. Sogar gut, auch an der Basis, wie die von mir organisierte Schoppen-Trophy gezeigt hat. Und an der Spitze. Tag 2 bei #vdpgg2017: Riesling

Mittelrhein

eine schöne geschlossene Kollektion, die von den Winzern vorgestellt wurde. Ich nehme jetzt bewusst 3 Rheingauer Weine mit absolutem Mittelrheincharakter hinzu: Kesselers Lorchhäuser Seligmacher (klar wie Quellwasser, filigran, merkliche Süße, die dem Wein aber ungemein steht, top!) sowie die beiden Kanitz-Weine, Lorcher Kapellenberg und Pfaffenwies Röder. Schörkellos, ganz geradeaus, feingliedrig, das gefällt mir ausnehmend gut. Bei den „echten“ Mittelrheinern stechen 3 Weine für mich heraus: Matthias Müllers fantastischer „An der Rabenlei“, „Im Hahn“ von Toni Jost und Ratzenbergers St. Jost, die das ausstrahlen, was den Mittelrhein ausmacht: Finesse und tänzerische Eleganz gepaart mit einer zupackende Säure und mit großem Trinkfluss

Nahe

großes Kompliment an die Nahe, die im ersten Flight gleich mit Dönnhoffs Dellchen Sympathiepunkte bei mir gesammelt hat. Restlos überzeugt hat mich direkt danach das Pittermännchen von Diel mit seiner straffen Würze, gutem Zug, Finesse und Tiefgang (während das Goldloch noch recht verschlossen daherkam, muss noch wachgeküsst werden). Sehr ordentlich, was Gut Hermannsberg diesmal auf die Beine gestellt hat, dem 2015er Hermannsberg hat die längere Zeit in der Flasche sehr gut getan. Dönnhoff zeigt gleichwohl die charakteristischere Handschrift, bringt die Weine etwas präziser auf den Punkt. Und dann das große „Duell“ am Gaumen: Schäfer-Fröhlich und Emrich-Schönleber! Unglaublich gut, was beide Güter aus ihren Spitzenlagen diesmal vorgestellt haben, ich bin platt. Vor allem der kräuterige, florale Felsenberg von Schäfer-Fröhlich ist ein Wein, über den sich zu reden und schreiben lohnt. Die Kupfergrube nicht minder packend, mit einem schönen Stinker, aber eine Dichte und Konzentration, die unglaublich schön anzutrinken ist, auch wenn die Weine ein großes Stück von ihrem „Punkt“ entfernt sind. Wenn Winzer so um meine Gaumengunst wetteifern wie diese beiden Güter, auch mit Halenberg und Frühlingsplätzchen, dann ist das eine wahre Lust. Ich ziehe mich salomonisch zurück: Emrich-Schönleber für absehbaren kaufen, Schäfer-Fröhlich erst mal einlagern.

Rheinhessen

Wer meint, Rheinhessen könne nach diesem Loblied auf die Nahe einpacken, der irrt. Schon im ersten Flight ein Scharlachberg von Wagner-Stempel, der mich völlig überrascht und überzeugt hat. Das ist ein großer Wein mit großer Zukunft. Eine Einschätzung, die übrigens nicht minder für den Rothenberg „wurzelecht“ von Kühling-Gillot gilt: straff, präzise, Druck am Gaumen, betörende Aromen, klasse! Und sonst: 4x Hipping, 5x Pettenthal, und bei beiden Lagen muss ich Kühling-Gillot hervorheben, das das Großartige dieser Lage mit einer überzeugenden Stilistik verbinden. Und das Loblied hat noch kein Ende, sondern steigert sich zum Finale mit einer Ode auf Wagner-Stempel: Heerkretz und Höllberg, das sind für mich 95 und 94 Punkt und mit das Beste, was Wiesbaden heute zu bieten hatte, obwohl ich Wittmannns Kirchspiel und Groebes Aulerde damit ein wenig Unrecht tue. Aber was ist schon gerecht auf dieser Welt?

Große Gewächse - Weiße Burgunder

Sonntag früh, nicht einmal 11 Uhr und schon eine kleine, aber feine Auswahl weißer Burgunder auf dem Tisch. Eine Herausforderung, aber eine geschmackvolle. Los geht’s in Wiesbaden anlässlich der Vorpremiere Großes Gewächs des VDP #vdpgg2017 mit der von mir ungeliebtesten Sorte, dem Grauburgunder… und der erste haut mich gleich von den Socken

Grauburgunder

Pawis Edelacker GG – eine Granate von Saale-Unstrut, geschliffen, präzise, Druck, hochfein, dabei mit guter Säure, Trinkfluss wie ich ihn sonst von dieser Rebsorte kaum kenne, Kompliment! 92P

Nicht minder gut das Lämmler GG von Schnaitmann, ein Expresszug am Gaumen, voll, elegant, schöne Cremigkeit, das macht Laune. 91P. Bercher überzeugt mit dem Feuerberg Haslen, 91P. Übertroffen wird er allerdings von Hegers Achkarrer Schlossberg, der alles hat, was ich von einem Wein dieser Güte erwarte. Schmelz, Nachhall, Eleganz, Cremigkeit, Körper ohne deshalb zu fett daher zu kommen. 93P  Eher in die herkömmliche Kategorie fallen da Wöhrwags Herzogenberg (88P) und die Kirchgasse von Wöhrle (Weingut Stadt Lahr), 89P. Perfekt ausbalanciert erscheint mir Stiglers Winklerberg Pagode, 92P, gut Blankenhorns Sonnenstück und der Doktorgarten aus dem Staatsweingut Freiburg, beide 90P. Alles war mehr als 90 Punkte führt sogar einen Grauburgunder-Skeptiker wie mich in Versuchung, zumal die Weine eine guten Trinkfluss haben könnten… ich muss jetzt nochmal am Pawis nippen!

Chardonnay

… ich werde immer mehr zum Freund anspruchsvoller deutscher Chardonnays, auch wenn ich – zugegeben – gute Franzosen ebenso zu schätzen weiß wie die Neue Welt, vor allem meine geliebten Südafrikaner (Bouchard-Finlayson, Moreson und Co…!) In Baden – meiner Heimat – gibt es aber schon lange Extraordinäres, und mein Schlüsselerlebnis hatte ich schon vor Jahren mit Huber! Der war in Wiesbaden diesmal mit dem 2015er Bienenberg GG und dem 2015er Schlossberg dabei… ganz einfach klasse! Nicht zu dick, merkliche Säure, viel Zitrus, feine Cremigkeit, sehr auf der eleganten Seite, so muss, darf und kann deutscher Chardonnay schmecken, eine Benchmark, beide 93P.

Sehr ordentlich auch Kronenbühl-Gottesacker von Wöhrle (Stadt Lahr), 89P. Vom Staatsweingut war leider nur der Doktorgarten, nicht aber der Schlossberg zu verkosten – sehr fest am Gaumen, druckvoll, ein Wein mit Durchschlagskraft, dem ein wenig die Finesse fehlt, 90P. Genau die zeigt Stiglers Winklerfeld auf wunderbare Weise… ein Chardonnay-Grazie mit Stil und Noblesse, hoher Trinkfluss, 92P. Stilistisch ganz anders, aber nicht minder fein zeigt sich Hegers 2015er Hinter Winklen „Gras im Ofen“, der sich in der Nase mit einem Wahnsinnsbukett meldet und sich am Gaumen ausgezeichnet präsentiert und zu meinen Höhepunkten zählt, 93P.

Roter Traminer

Lützendorfs Hohe Gräte Roter Traminer GG ist für mich mangels Vergleichsmöglichkeit und mangels Erfahrung ein schwer zu bewertender Wein, die relative Süße ist nicht mein Ding, allerdings fallen mir sofort jeden Menge Gericht ein, zu denen das ein absolut überzeugender Essensbegleiter wäre… solo ohne Trinkfluss, 88P

Weißburgunder

Weißburgunder! Bleiben wir doch erstmal im Badischen, auch wenn es der Rest der Republik auf meinem Gaumen dann vermutlich nicht einfach haben wird. Die badische Phalanx erweist sich in der Tat als beeindruckend, angeführt von Hegers Winklen Rappenecker, 94P, und dem Doktorgarten aus dem Staatsweingut, 93P. Stigler und Bercher bleiben mit der Pagode und dem Feuerberg Haslen nur knapp dahinter (beide 91P) vor dem Herrentisch von Wöhrle.  Das alles ist ziemlich gut und auch ziemlich überzeugend, wenn man ein Fan von Weißburgunder ist.

Bei den Kollegen in Württemberg liefern sich Aldinger und Ellwanger auf meiner Zunge ein hartes Gefecht, das wegen der größere Klarheit und Präzision Aldinger, 91P, mit leichtem Vorteil für sich knapp vor Ellwanger, 90P, entscheidet. Ähnlich gilt an Saale-Unstrut, wobei der Vorteil für Pawis mit seinem Edelacker, 90P, vor der Hohen Gräte von Lützendorf (88P), etwas klarer ausfällt. Bei den Franken steht erstaunlicherweise das Juliusspital allein auf weiter Flur. Der 2015er Karthäuser weiß aber mit seinem Spiel, seiner cremigen Leichtigkeit und seiner Finesse sehr zu überzeugen, 92P.

Beherrscht wird die Rebsorte bei den GGs aber von der Pfalz mit einem Dutzend GGs! Rebholz bewegt sich mit Im Sonnenschein, 89P, und Mandelberg, 91P, sehr auf der eleganten Seite, doch gefällt mir unerwartet die kräftiger Interpretation des Mandelberg von Dr. Wehrheim deutlich besser, 92P. Ein Maul von Wein auf höchstem Niveau. Kranz´ Kalmit ist recht ordentlich ausgefallen, mehr aber auch nicht, 88P, deutlich geschliffener Bernharts Sonnenberg „Rädling“. Nachträglich angestellt wurde noch der Mandelberg von Bergdolt Klostergut St. Lamprecht, der sich nur knapp hinter Wehrheim einordnet, 91P

Hochspannend die unterschiedliche Interpretation aus dem Kirschgarten von Knipser und Philipp Kuhn… letzter sehr „wild“, animalisch, animierend, spannend, ein Wein mit Ausrufzeichen, der für Diskussionen sorgen wird, 92P, doch am Ende überzeugt mich doch Knipsers großer Klassiker, 93P… da werde ich aber sicher nicht in der Mehrheit sein… Rings bestätigen ihren guten Lauf, 92P, Meßmer und Minges gewohnt verlässlich, 90P, eine Neuentdeckung sind für mich Münzberg Lothar Keßler & Söhne mit einem hochspannenden Münzberg „Schlangenpfiff“..,., dieser Pfiff lässt mich aufhorchen…, 91P.

Silvaner

... meine fränkische Lieblingsrebsorte darf am Ende nicht fehlen! Sehr ordentlich Rothlauf und Himmelspfad von Rudolf May, doch nicht auf dem Niveau von Schmitt´s Kinder und Ludwig Knoll, DAS ist ein STEIN. Die beste Silvaner-Kollektion hat meines Erachtens das Bürgerspital vorgelegt, für den Stein gibt es 92P, für die Stein-Harfe 91P. Auf ähnlich  hohem Niveau produzieren sonst nur noch Hans Wirsching und die beiden Sauers in Escherndorf. Welcher "Lumpen 1655" der Bessere ist, das ist wirklich eine Frage der Tagesform des Verkosters. In jedem Fall war 2016 ein guter Silvaner-Jahrgang, und meine persönlichen Vorlieben erfüllt das Bürgerspital in diesem Jahr am Besten.

Große Gewächse Rheingau

Seit einigen Jahren stellt der VDP Rheingau am jeweils Vortag der großen GG-Vorstellung des VDP Deutschland in Wiesbaden einen Querschnitt der GGs renommierter Erzeuger zwischen Hochheim und Lorchhausen vor. Diesmal im Steinbergkeller der Staatsweingüter, der ein ebenso ungewöhnliches wie passende Ambiente für die Verkostung bot. Insgesamt wurden 19 der trockenen Rheingauer Top-Rieslinge vorgestellt – und sie stellten dem Jahrgang 2016 ein sehr gutes Zeugnis aus. Sehr fruchtbetont, stoffig, hoher Extrakt, dabei Finesse und Eleganz.

August Kesseler, 2016 Seligmacher GG – Top-Wein von der nördlichsten Steillage Hessens, typische Mittelrhein-Charakteristik, exotische Früchte, Stachelbeere, sehr komplex, kühler Zuge, merkliche Süße, die nicht jedem gefällt, aber dem Wein gut zu Gesicht steht.

Allendorf 2016 Berg Roseneck GG – typisch Rüdesheimer Berg, tänzerische Säure, kräftiges Naturrell, dicht, präzise, komplex

Leitz 2016 Rosengarten „Monopol“ – sehr würzig und kräftig, Feuerstein und Pfirsch, kleiner Stinker in der Nase, intensive Frucht, sehr puristisch angelegt, aber gut

Wegeler 2016 Rothenberg GG – sehr geschliffen und elegant, zählt zu meinen Favoriten!

Johannishof 2016 Hölle GG – pikante Säure, knackig, nervig, guter Nachhall, braucht aber noch viel Zeit der Entwicklung

Johannisberg 2016 Schloss Johannisberg GG – sehr voll, sehr reif

Vollrads 2016 Schloss Vollrads GG – würzig, pikant, nussig, aber auch wenig präzise

Schönleber 2016 St. Nikolaus GG – gut strukturiert und balanciert, schön eingebundene Säure, langer Nachhall, sehr klar und geradeaus, gut

Prinz 2016 Jungfer GG – sehr fein, kühler Zug, große Eleganz, Finesse, prägnant, hoher Trinkfluss, zählt zu meinen Lieblingen

Ress 2016 Wisselbrunnen GG – bärenstarkes GG aus der Brunnenlage, Fein, Wild, kräuterige Noten, eher kühl und salzig, Finesse und Fein

Spreitzer 2016 Wisselbrunnen GG – sehr gut, strahlende Finesse, große Klarheit und Präzision, läuft…. !

Jakob Jung 2016 Siegelsberg GG – sehr fest und druckvoll, präzise und präsent, guter Zug, cremig, klasse

Oetinger 2016 Marcobrunn GG – nicht so dick und fett wie Marcobrunner sonst oft daherkommt, interessante Interpretation der Lage, noch recht verschlossen, aber ein Charakterwein von großer Eleganz mit eher puristischer Aussage

Weil 2016 Gräfenberg GG – ein Maximum an Eleganz und Finesse, großer Spannungsbogen, kühler, salziger Zug, hoher Trinkfluss, fein.

Diefenhardt 2016 Schlenzenberg GG – feines GG aus dem neuen Gewann, exotische Aromen, gute Säure, Finesse

Künstler 2016 Hölle GG – pikant, würzig, fest, präzise und geschliffen, recht kräftiger Körper

Flick 2016 Nonnberg „Vier Morgen“ GG – tiefgründig, geschliffen, sehr terroirbetont aus alten Reben, gut

Barth 2015 Hassel GG – Marc Barth zeigt einen 2015er, aber einen guten!

Kühn 2015 Doosberg - fällt geschmacklich aus der Reihe, aber auf durchaus positive Weise. Setzt die Erfolgsgeschichte der 2014er GGs bei der Weinkritik mit Sicherheit fort, schnörkellose Eleganz, rauchige Kühle, animierender Trinkfluss, eigenständiger Charakterwein, eher Kühn als Rheingau,. eher Stil als Lage. aber fantastisch.

 

 

Rheingauer Weinwoche

Rheingauer Weinwoche

… immer eine perfekte Gelegenheit für neuen Entdeckungen und zur Auffrischung früherer Verkostungseindrücke… hier ein paar nicht-repräsentative Erlebnisse….

Goldatzel, Johannisberg

2016 „Bestes Fass“ Johannisberger Goldatzel Spätlese trocken

… braucht ein Bestens Fass noch den nichtssagenden Hinweis „Spätlese“? Natürlich nicht, aber das tut der Qualität zugegeben keinen Abbruch

Schönleber-Blümlein, Winkel

2016 Chardonnay… kein New-World-Style aber gut, vielleicht der best-gelungene der zurückliegenden Jahre

Abteihof, Johannisberg

2016 Hölle Kabinett trocken… sehr gut, klar, geradeaus, süffig

1999 Spätburgunder Weißherbst Beerenauslese… eine Granate

1989 Hasensprung Kabinett halbtrocken – sehr gut gereift, nicht mit der den Jahrgang häufig schnell erkennbar machenden Botrytis überladen, typisch für die wenigen, guten Weine aus den 80ern….

Altenkirch, Lorch

2012 Lorcher Schlossberg aus der Magnum – ein Gedicht, fest, präzise, auf den Punkte, wunderbar minerlisch

2016 Grauschiefer – fruchtbetonter als in früheren Jahrgängen, somit auch weniger mineralisch… ungewohnt….

Wurm/ Ottes, Lorch

2015 Lorcher Kapellenberg, 2015 Lorcher Schlossberg und 2015 „Schiefer“… feines Trio mit gutem Zug und schöner Trinkanimation, der Schlossberg dabei besonders präzise und elegant, mein Favorit

Kaufmann/ Hans Lang

2016 Riesling „Tell“ – inzwischen eine Bank und einer meiner absoluten Lieblinge, sehr straff, klar, auf dem Punkt, druckvoll und finessenreich mit kühlem Zug, geschmeidig

J.B. Becker, Walluf

endlich mal wieder in Beckers Weingarten… und Überraschung: die Weinauswahl vor allem bei den Flaschenweinen hat sich merklich verbessert, da kommt jetzt Freude auf!

2015 Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken

2008 Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken Alte Reben

2009 Wallufer Walkenberg Riesling Auslese

ein wunderbares Trio… und es war einfach zu schön am Rhein, um sich auf Verkostungsnotizen zu konzentrieren…

und was war sonst?

F.B.Schönleber, Winkel

2016 Jesuitengarten Riesling trocken „Bestes Fass“

… nun haben also nicht nur Goldatzel und Offenstein ein „Bestes Fass“ im Angebot, sondern auch die Schönleber-Brüder. Auch wenn ich mich schwer tue, „Beste Fässer“ als Kategorie unterhalb (!) der Großen und Ersten Gewächse einzustufen (… sind das die zweitbesten Fässer…?) so ist der Wein also solcher phänomenal gut, sehr geschliffen, präzise und mit hohem Trinkfluss

Sekt und Sachsen

Reuter & Sturm, Walluf

Die kleine Sektkellerei am Wallufer Bahnhof hat es bisweilen nicht leicht, zwischen MM und Ohlig, zwischen Schloss Vaux, Bardong und Sekt-Güter wie Barth und F.B. Schönleber wahrgenommen zu werden, doch das ist ungerecht. Nach einer leider längeren Pause habe ich das Sortiment der flaschenvergorenen Sekte mal wieder verkostet… und sehe meine seinerzeit höchst positive Einschätzung bestätigt. Sehr gute Qualität zum phänomenalen Preis-Leistungsverhältnis, das zeichnet Reuter & Sturm aus.

2015 Weißer Burgunder Brut – eine cremig-feine Cuvée aus vornehmlich Hochheimer Lagenweinen von Spätlese-Qualität. Recht weich und samtig, ohne dabei charakterlos zu wirken, hoher Trinkfluss, sollte in großen Schlucken genossen werden, bei 11,80 Euro tut das auch nicht weh! Eine echte Kaufempfehlung!

2015 Roter Riesling Rauenthaler Rothenberg brut – der Rote Riesling boomt in der Nische, und das gilt auch beim Sekt. Im Rheingau ist das eine Rarität, erzeugt aus vollreifem Lesegut. Sehr cremig, sehr voll, auch sehr kräftig, daher vornehmlich für eine Rolle als Essensbegleiter prädestiniert. Für mich einen Tick zu süss und einen Tick zu kräftig, was den Trinkfluss ein wenig hemmt, aber zu vielen Speisen sicherlich perfekt.

2014 Cuvée R+S brut – der Hammer und mein Liebling! Riesling und Spätburgunder zu einer perfekten Ehe vermählt. Ein Sekt von hoher Präzision und Geschliffenheit, auf dem Punkt, Dichte und Eleganz fein verwoben, herausragend eingebundene Säure, Lebendigkeit, Finesse, Trinkanimation pur.

2013 Opus Riesling brut – Cuvée aus Riesling-Auslese, die Grundweine stammen vornehmlich aus Hochheim. Sehr voll, langer Nachhall, feinperlige Eleganz, eine Riesling-Sekt-Majestät

2013 Pinot Noir extra dry Rotsekt – noch so eine Rarität im Rheingau. Helmut Sturm hält wenig davon, Rotsekte zu trocken zu erzeugen. Er will Frucht und Trinkfluss bewahren, und dieser Pinot ist dafür ein gutes Beispiel, wenn auch nicht jedermanns Sache. Als Essensbegleiter ebenfalls sehr gut geeignet.

Sachsenweine

Eine geschmackvolle Stichprobe sächsischer Weine haben wir kürzlich in der Runde der „Kranenmeister zu Oestrich“ verkostet, und das Ergebnis an Zunge und Gaumen konnte sich sehen lassen und bestätigte die durchaus guten Erfahrungen meines ausgedehnten Trips nach Meißen, Radebeul und Dresden (die hier weiter unten im Blog zu finden sind…) Verkostet wurden in trauter Runde bei Chat Sauvage in Johannisberg:

Zimmerling, Dresden: 2013 Pillnitzer Königlicher Weinberg Riesling, 2015 Weißburgunder und 2015 Gewürztraminer Königlicher Weinberg VDP.Große Lage

Ingesamt hätte ich ein wenig mehr von Zimmerling erwartet, auch wenn er im Flight den besten Riesling stellt, zum Preis von 24 Euro je 0,5er-Flasche aber höchst anspruchsvoll. Den Gewürztraminer fand ich sehr beachtlich, auch wenn es nicht unbedingt meine favorisierte Rebsorte ist.

Schuh, Sörnewitz: 2015 Meissner Kapitelberg, 2015 Meissner Klausenberg Weißburgunder und 2016 Goldriesling sowie 2014 Dunkelfelder (!!!)

Bei Schuh gibt es in jedem Fall noch Luft nach oben, auch wenn der Goldriesling sehr gut und sehr rebsortentypisch ist und somit eine gute sächsische Visitenkarte. Besonders auffällig war der Dunkefelder… Hut ab, was ein guter Winzer aus einer solchen Verschnitt-Rebsorte zaubern kann, eine echte Überraschung.

Schloss Wackerbarth, Radebeul: 2015 Steinrücken Riesling und 2015 Blaufränkisch

Beide Weine haben mir gut gefallen, ohne scheint mir das große Staatsweingut ein positive Entwicklung zu nehmen,, zwar habe ich aus dem Sortiment beim Besuch vor Ort schon bessere Weine als die beiden nun verkosteten getrunken, aber der Blaufränkisch ist wirklich nicht von schlechten Eltern!

Weingut Schloss Proschwitz: 2015 Weißburgunder Heilig Kreuz und 2015 Scheurebe sowie Spätburgunder VDP.Große Lage… ein Vorzeigebetrieb in Sachsen mit verlässlich guter Qualität. Der Spätburgunder zeigt, welches Potential auch in Sachsen geweckt werden kann, und der Weißburgunder hab mich mit seiner Finesse und seinem guten Trinkfluss überzeugt… auch wenn ich da im Weißburgunder-Flight in der Minderheit war, denn die Mehrheit votierte für Schuh.

Nordbaden & Niederbayern

Weingut Klumpp, Bruchsal

Meine nordbadische Heimat ist mit Top-Winzern nicht gerade reich gesegnet, und das Kraichgau ist als Weinregion allenfalls mäßig bekannt. Im mäßig schönen Bruchsal allerdings, das eigentlich nur für seinen Spargel, seine Staus auf der A5 und sein Hochsicherheitsgefängnis bekannt ist, hat sich Erstaunliches getan. Vor zwei Jahren hat Familie Klumpp ihr erst 1983 gegründetes Weingut von Grund auf modernisiert und erweitert, und das mit Stil und Geschmack und (fast) ein wenig südafrikanischem Flair. Hier werden auf immerhin 27 Hektar Rebfläche Weine erzeugt, deren Güte die gehobene deutsche Gastronomie schon lange für sich entdeckt hat. Meine Premiere im schon 1996 anerkannten Öko-Weingut war schon lange überfällig, vor allem in der Rückschau. Denn ich habe bislang etwas verpasst, was ich nach nur gelegentlicher Berührung mit einzelnen Weinen (zuletzt beim Gourmet Festival im Rheingau) schon länger geahnt habe: Hier gibt es badischen Wein vorzüglicher Qualität.

Schon der 2016er Basis-Riesling gefällt durch seine intensive Frucht, seine knackige Säure, sein reintönige Eleganz und Finesse. Der 2016er Riesling Himmelreich (Tonmergel-Boden mit viel Kalk) hingegen ist sehr speziell, mit einer aufregenden, leichten Petrol-Noten, leicht animalischen Anklängen… kein Wein zum einfach Runterschlucken, sondern Gesprächsstoff ! Das gilt auch für den 2016er Auxerrois mit seiner kräftig-würzig-kräuterigen Note, der eher schlank als opulent wirkt, sich aber dennoch als Essensbegleiter auch zu deftigen Speisen empfiehlt. Wer diesen Blog verfolgt, der weiß, dass ich mich mit Grauburgunder immer schwer tue, auch wenn der 2016er Basis-GB und der 2015er Rothenberg zweifellos zu den Besseren ihrer Art gehören. Ein Strahlemann ist hingegen der 2015er Kirchberg Weißburgunder, der dank Kalksandsteinboden mit Schmelz, langem Nachhall, enormer Frische und großer Klarheit überzeugen kann. Der 2016er Chardonnay war leider noch nicht zu verkosten, aber eine Flasche habe ich jetzt im Keller. Bei den Roten (Rebsortenanteil rund 50 Prozent) musste ich auf den 2013er Rothenberg verzichten, der 2014er Weiherberg Pinot Noir wirkt jedoch wunderbar burgundisch. Kein fruchtbetonter Pinot, sondern absolut von Mineralität geprägt und Anklängen von Pfeffer, Paprika und diversen Gewürzen, geschmacklich eine Wucht, aber nicht wuchtig, sondern ganz auf der eleganten Seite. Das alles ergibt – in Kombination mit einer sehr angemessenen Architektur – ein badisches Vorzeigeweingut.

Drei Tage in Passau

Die Dreiflüssestadt in Niederbayern ist ein perfekter Ausgangspunkt für fordernde Tageswanderungen (Goldsteig, Donausteig) und für eine abendliche „Hefekur“ mit zünftigem Bier niederbayerischer Herkunft. Erfreulicherweise finden sich an einigen Stellen der Stadt wie im „Wein-Gut“ (Theresienstraße) und in Anton´s Cafe aber auch sehr ordentliche Tropfen auf der Karte, beispielsweise der

Bürgerlichen Heiliggeist Stiftung Passau  mit Weinbergen im Kremstal und einem 2014er Grüner Veltliner Wachtberg. Ebenso spannend der 2016er „Gemischte Satz“ aus dem Weingut Mayer am Pfarrplatz Wien, der 2015er Grüne Veltliner „Hinter der Burg“ von Prager aus der Wachau und der Würzburger Stein VDP.1.Lage vom Juliusspital.  

Robert Weil, die 2016er

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Jahrgangsprobe? Jedenfalls nicht möglichst direkt nach der Füllung! Es hat auch seinen Charme, auf den Sommer zu warten, wie jetzt meine Verkostung nahezu aller aktuellen Weil-Weine gezeigt hat. Und es beginnt mit einem unerwarteten Paukenschlag!

2016 Rheingau Riesling trocken erweist silch als Einstiegswein nicht erwarteter Ernsthaftigkeit. Ein Wein mit Power, recht breiten Schultern, guter Fülle und bar jeder hervorstechenden Säure. Ein Wein mit „Schmackes“, der von den hohen Extraktwerten des Jahrgangs Zeugnis ablegt und trotz seiner Kraft einen animierenden Trinkfluss entfaltet. So gut hatte ich den „einfachen“ QbA in den vergangenen Jahren jeweils nicht in Erinnerung…

2016 Kiedricher Riesling trocken ist ein rassiger Ortswein, der von der wunderbaren Mineralik der Kiedricher Berglagen unterlegt ist. Recht filigran mit expressiver, aber nicht nerviger Säure. Ebenfalls mit hohem Trinkfluss ausgestattet und sofort nach dem nächsten Schluck kreischend…

2016 Klosterberg, Turmberg und Gräfenberg GG (Faßprobe)

Die drei Berglagen nebeneinander verkosten zu dürfen, entfaltet immer einen besonderen Zauber. Der Klosterberg wirkt dabei recht fest, nur fast ein wenig bodenständig-bäuerlich, aber dabei sehr präsent und verlangt für mich nach begleitender Hausmannskost. Her mit der Leberwurst! Ein runder, stoffiger Wein, dessen Finesse als Hintergrundmusik erkennbar ist. Was ihm fehlt, wird einem tatsächlich erst bewusst, wenn man den Turmberg auf der Zunge hat. Ein Wein von derart geschliffener Präzision, Rasse und Schärfe lässt den Klosterberg unverdient fast konturlos erscheinen. Ein vinologisches Schwert, das einem Samurai alle Ehren machen würde. Klasse! Der Gräfenberg (das erwartete GG vorab als Faßprobe!)  wird im September wieder einmal als Monument durch seine Saftigkeit und Fülle überzeugen, die 2016 – dem Jahrgang geschuldet – von einer betörenden Fruchtnote untermalt wird. Sehr animierend hält der Gräfenberg – wie ich das immer erwarte – auf wunderbare Weise die Waage zwischen Eleganz und Kraft.

2016 Rheingau Riesling Kabinett, das ist der süße „Sauf weg“-Wein des Weinguts. Herrliche Frucht, Saftig-süße Freude, Trinkspaß auf hohem Niveau bei 9 Prozent Alkohol, dank der Säure wunderbar belebend und animierend, jetzt sofort trinken oder 10 Jahre weg legen.

2016 Turmberg Spätlese und Gräfenberg Spätlese, beide zeigen auf eindrucksvolle Weise, zu was der Jahrgang 2016 fähig war. Kristallklar wie Gebirgswasser, feine Frucht, hohe Präzision, für mich ist es der Turmberg mit der höheren Trinkanimation dank feinstem Säure-Süße-Spiel. In jedem Fall zahlt sich die „Abrüstung“ der süßen Spätlesen beim Mostgewicht in einem Gewinn an Geschmack und Trinkfreude aus.

2016 Turmberg Auslese, Gräfenberg Auslese und Gräfenberg Auslese Goldkapsel,  war für ein Trio infernale! Auch wenn danach noch dickere Granaten kommen, so braucht doch kein Mensch mehr Süße und Konzentration als diese wuchtig-süße und dabei geschliffen feine Goldkapsel…

2016 Turmberg Beerenauslese, Gräfenberg Beerenauslese, Gräfenberg Eiswein, letzter gelesen am 7. Januar und für meine Geschmack in diesem jugendlichen Alter noch nicht mit ausreichend Eiswein-Typizität gesegnet, aber natürlich ein klasse Süßwein. Bin gespannt, ob die Erkennbarkeit als Eiswein mit den Jahren deutlich zunimmt. Dennoch, jetzt wird die Probe ob der Opulenz, Dichte und Süße zu einer echten Herausforderung. Und mein Herz schlägt in diesem jungen Stadium meist für den Turmberg mit der schmeckbareren Säure und der etwas geringeren Opulenz, das gilt auch für die eigentlich noch kaum verkostbare  2016 Gräfenberg Beerenauslese Goldkapsel sowie die beiden TBAs aus Turmberg und Gräfenberg. Ein Moment mit Monumenten am Ende der Bewertungsskala. Schnell noch ein Schluck Reparaturwein: Turmberg! Passt!

Aus dem Verkostungstagebuch

Y-Weine

Noch wartet Ahmet Yildirim, „Deutschlands einziger türkischer Winemaker und Sommmlier“, auf die Baugenehmigung, aber seine neue Vinothek und Weinbar in Eltville öffnet bisweilen schon ihre Pforten. Einmal reingeschnuppert und getrunken:

Y Rosé Sekt extra trocken – viel Erdbeere und Brombeere, auch ein wenig Cassis im Hintergrund, klare Frucht, süffig, für mich zu süss

Y Riesling Alte Reben trocken – unverkennbar Lorch, unverkennbar Schiefer, unverkennbar Schlossberg, klasse Weine aus einer exzellenten Steillage mit viel Steinobst als Aroma und einem kleinen kräuterigen Unterton, sehr fein!

Wein Lounge Höhn

Wir hatten größere Veränderungen befürchtet, als wir davon erfuhren, dass Familie Höhn das Konzept geändert hat, aber erfreulicherweise ist in der Freudenbergstraße 200 im Großen und Ganzen alles beim Alten geblieben. Neuer Name und ein paar neue Tapas-Gerichte auf der Karte, von denen wir bei allerersten Reinschmecken aber noch nicht völlig überzeugt waren, das muss nachverkostet werden….

2016 Sauvignon blanc

2016 Chardonnay – wie gewohnt untadelige Weine aus Dotzheimer Lagen, sehr klar und straight 

Graf Schönborn

Hier entwickelt sich die Weinlounge mit Vinothek und Weinbar zunehmend zum Treffpunkt, und das zu Recht. Die 2016er-Ortsweine waren für meinen Geschmack durchweg recht überzeugend, aber EINE Innovation im Sortiment ist besonders bemerkenswert:

2016 Von den Brunnen Riesling trocken – sozusagen eine Cuvée aus Marcobrunn, Wisselbrunnen und Nussbrunnen… noch frisch auf der Flasche muss der Wein bald nachprobiert werden. In jedem Falle in Ausrufezeichen aus dem Traditionsweingut!

Robert Weil, Kiedrich

2012 Turmberg Riesling Spätlese – ein Wucht!

Tröpfchenbewässerung zahlt sich aus

Der Klimawandel ist keine Fiktion, denn besonders steile Weinberge dürsten sichtbar. Bewässerungsanlagen könnten helfen, doch die größte Hürde lautet: Woher kommt das Wasser?

Die Antwort der Winzer auf den Klimawandel tropft aus schwarzen Schläuchen. Die Hessischen Staatsweingüter haben Ende Juni mit der Bewässerung einiger Parzellen in Hessens steilstem Weinberg, dem Rüdesheimer Schlossberg begonnen. Carsten Weiland, der Außenbetriebsleiter der Domäne Assmannshausen, sieht dem Weinberg schon vom weitem an, dass er dürstet. Die Hochleistungspumpe, die zwischen Binger Mäuseturm und Burg Ehrenfels auf dem Grund des Rheins liegt, fördert mit hohem Druck Wasser aus dem Binger Loch fast 200 Meter in die Höhe, wo es über ein System von Schläuchen tröpfchenweise den Rebstöcken zugeteilt wird. Ein ausgeklügeltes System, das aus Israel stammt und das über eine ausgefeilte Technik der Druckkompensation verfügt die sicherstellt, dass die Wassermenge an jedem Rebstock gleich groß ist.

Ein paar hundert Meter entfernt, im Rüdesheimer Rottland, müssen die Mitarbeiter der Staatsweingüter dagegen mühsam mit 5000 Liter-Tanks das Wasser aus einer öffentlichen Zapfstelle heranschaffen und in die Schläuche lenken, um dem dort wachsenden Cabernet Sauvignon-Rebstöcken ein gutes Wachstum zu ermöglichen. Gut 1100 Rebstöcke stehen dort, die binnen einer Stunde den Tank leeren. Als ideal gilt die Zugabe von zwölf Litern Wasser an einem Tag der Woche. Anders als bei Regen, der nur sehr langsam und sehr gleichmäßig in den Boden versichert, kommt dieses Wasser gezielt an den Wurzeln an.

Der Klimawandel lässt immer mehr Winzer über Bewässerungsanlagen nachdenken. In Rüdesheim haben sich schon das Bischöfliche Weingut und das Weingut Georg Breuer dem Projekt der Staatsweingüter angeschlossen und bewässern ebenfalls. Andere Weingüter wie Corvers-Kauter haben eigene Anlagen installiert. Wegen seiner Steilheit, der hohen Sonneneinstrahlung und dem durchlässigen Schieferboden, der Regenwasser nicht halten kann, ist der Rüdesheimer Berg für Bewässerungsanlagen prädestiniert, zumal Weine aus diesen Berglagen auch zu höheren Preisen abgesetzt werden können, die den Aufwand rechtfertigen. Wie notwendig er ist, belegt das Netz der Wetterstationen im Rheingau. Im April fielen in diesem Jahr an der Burgruine Ehrenfels nur 4,7 Liter Wasser je Quadratmeter. Im Vorjahr waren es 63 Liter. Seit dem Herbst vergangenen Jahres haben sich in den Weinbergsböden beachtliche Wasserdefizite aufgebaut.

Der Wassermangel lässt sich auch wissenschaftlich messen, beispielsweise über den Chlorophyll-Druck im Blatt des Rebstocks. „Man muss aber auch ein Gefühl dafür haben“, sagt Stefan Seyffardt, der für die Bewirtschaftung der Weinberge der Staatsweingüter verantwortlich ist. Und Erfahrungen. Die Staatsweingüter haben schon Ende der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Kooperation mit Wissenschaftlern mit Bewässerung experimentiert, noch ehe in der Folge der trockenen Jahre 2003 und 2004 die Diskussion über die Bewässerung der Weinberge deutschlandweit an Fahrt aufgenommen hat.

„Ein Weinstock muss auch leiden“, heißt es zwar unter Winzern, die besonders hohe Qualitäten erzeugen wollen. Aber zu viel ist zu viel. In Weinbergen wie dem Rüdesheimer Berg sinkt dann nicht nur der Ertrag auf ein wirtschaftlich bedenkliches Niveau, während die Weinqualität dennoch mäßig bleibt. Vor allem aber kann Trockenstress in der Rebe dazu führen, dass sich im Wein später eine unangenehme Geschmacksnote, der „untypische Alterungston“ UTA, bildet. Zwar haben die Staatsweingüter auch in Rauenthal die Möglichkeit zur Bewässerung, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass dort die steilen Weinberge viel besser mit Wasser versorgt sind und viel besser lange trockene Phasen verkraften als der Rüdesheimer Berg mit seinen drei Renommierlagen Schlossberg, Roseneck und Rottland. Allerdings hilft viel nicht unbedingt viel. Seyffardt hält auch die Dosis für entscheidend. Dem Rebstock dürfe nur so viel Wasser gegeben werden, dass er sich nicht an die regelmäßige Zufuhr gewöhne. Im Extremfall könne die Wurzel unerwünscht nach oben wachsen, weil sie dort leichter an das Wasser aus den Schläuchen kommt anstatt möglichst tief in der Erde.

Die wichtigste aller Fragen ist allerdings: Woher das Wasser nehmen? An den Rheinstrom dürfen die Staatsweingüter nur mit einer Ausnahmegenehmigung, die sie gemeinsamen Versuchen mit der Forschungsanstalt Geisenheim verdanken. Der Wasserstraße Rhein generelle Wasser für kommerzielle Zwecke zu entnehmen, das geht nicht, zumal lange trockene Zeiträume in der Regel auch einen niedrigen Wasserstand im Rhein bedeuten. Auch neue Brunnen zu bohren ist nicht so einfach. Und alte Brunnen und Schürfungen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr für die Trinkwassergewinnung genutzt werden und die es im Taunus öfter gibt, sind im Rheingau die rare Ausnahme.

Die Bewässerung von Weinbergen gilt nicht nur bei den Staatsweingütern neben der Terrassierung von Weinbergen und der zunehmenden Automatisierung und Technisierung der Bewirtschaftung als wichtiges Instrument, den Weinbau in den Steillagen dauerhaft zu erhalten und damit auch das Gesicht der Kulturlandschaft zu wahren.  Und der Rheingau ist keine Ausnahme. Am Scharlachberg bei Thüngersheim im Landkreis Würzburg wurde im vergangenen Jahr eine Pilotanlage zur dezentralen Bewässerung von Weinbergen in Betrieb genommen. Mit ihr will die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim zeigen, dass Tröpfchenbewässerung wasserschonend und geldsparend möglich ist. (leicht gekürzte Fassung meines Berichts für die F.A.Z.)

Trenz gewinnt 13. Schoppen-Trophy

Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser ehrt Sieger in Johannisberg

Der Weinjahrgang 2016 hat die Rheingauer Winzer durch Wetterkapriolen und die Bedrohung durch den falschen Mehltau zwar vor einige Herausforderungen gestellt, der Region aber dennoch viele gute Trink- und Schoppenweine beschert. Die große Blindverkostung des Rheingauer Weinschmeckers, an der fast 30 Winzer und Weinfachleute mitgewirkt haben, hat die Einschätzung des Weinbauverbands zum neuen Jahrgang bestätigt.

Den besten Schoppen trinkt der Weinfreund in dieser Saison im Rheingau in der Schänke und im Innenhof des Weinguts Trenz in Johannisberg. Die höchste Punktzahl unter 36 angestellten Weinen – zehn Prozent mehr als im Vorjahr – nimmt Winzer Michael Trenz als Bestätigung seines Qualitätsstrebens. Trenz ist erst der zweite Winzer, der sich zum zweiten Mal in die Siegerliste eintragen konnte. Es war gewissermaßen ein Erfolg mit Ansage, denn im Vorjahr hatte das Weingut den dritten Platz belegt, was laut Weinschmecker-Autor und Trophy-Organisator Oliver Bock eindrucksvoller Beleg für die hohe Konstanz bei der Erzeugung von Qualitätsweinen ist.

Bei der Blindverkostung im Tagungszentrum Sickinger Hof des Weingasthauses Rüdesheimer Schloss in Rüdesheim setzte sich Trenz mit knappem Vorsprung gegen das Geisenheimer Weingut Schumann-Nägler und das Winkeler Weingut Allendorf durch, die gemeinsam auf den 2. Platz kamen. Dritter wurde das Martinsthaler Weingut Keßler mit einer „Martinsthaler Wildsau“ trocken. 

Das Weingut Trenz bewirtschaftet auf 85 Prozent der Rebfläche, auf zwölf Prozent Spätburgunder und auf drei Prozent Weißburgunder. In der Lage "Johannisberger Hölle" wachsen auf verwittertem Quarzit Rieslinge mit ausgeprägter Mineralität. Die Spätlesen der Lage "Johannisberger Vogelsang" werden durch Aromen von Maracuja oder reifer Birne geprägt. Das Weingut legt vor allem Wert auf fruchtbetonte, finessenreiche und elegante Weine.

Insgesamt wurden die 36 Weine von 28 Juroren blind geprüft und nach einem 20 Punkte-System bewertet.

Der Jury gehörten Vertreter der teilnehmenden Güter, Gastronomen, Weinjournalisten, Vertreter der Weinbranche und der Verbraucher an, darunter auch die Rheingauer Weinkönigin Stephanie Kopietz.

Die Siegerehrung nahm die Staatssekretärin im hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Dr. Beatrix Tappeser, vor. Sie lobt das Ziel des Wettbewerbs, nämlich die Qualität im Rheingauer Weinbau weiter zu fördern, dabei den Blick auf die umsatzstarken Basisweine zu legen und für die Weinbauregion zu werben.

Das Ergebnis der 13. Schoppentrophy:

  1. Platz

Weingut Trenz, Johannisberg

2016 Rheingau Riesling trocken „Basic“

  1. Platz

Weingut Allendorf, Winkel

2016 Rheingau Riesling trocken

UND

Weingut Schumann-Nägler, Geisenheim

2016 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz

Weingut Keßler, Martinsthal

2016 Martinsthaler Wildsau Riesling trocken

  1. Platz

Dienst, Hochheim

2016 Dorotheenhof Riesling trocken

  1. Platz

Hanka, Johannisberg

2016 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz (geteilt)

Diefenhardt, Martinsthal

2016 Rheingau Riesling trocken

Mitter-Velten, Hochheim

2016 Daubhaus Riesling Kabinett trocken

Crass, Erbach

2016 Rheingau Riesling trocken

Laquai, Lorch

2016 Rheingau Riesling trocken

F.B. Schönleber, Winkel

2016 Rheingau Riesling trocken

Allendorfs Goethewein

Allendorfs Goethewein

Eines der Gründungsmitglieder des VDP Rheingau, die Gutsverwaltung Brentano in Winkel, ist schon seit vielen Jahren nur noch Weingeschichte. Das einst rund zehn Hektar große Weingut, das schon lange nicht mehr zu den ersten Adressen der Region gehörte, ist untergegangen, viele Rebflächen gingen an Schloss Vollrads. Inzwischen hat die Familie auch das romantische, 1751 erbaute Brentanohaus an das Land Hessen verkauft, das für eine große Stange Geld die Sanierung eingeleitet hat. Das Brentanohaus, 1806 von der Familie Brentano übernommen, äußerlich schon renoviert, wird in den nächsten Jahren auch durch seine sagenhaften „inneren Werte“ zu neuer Blüte reifen. Dem „Goethewein“ ist das schon gelungen. Der hauseigene Weinberg ist ebenso wie die Schänke des Brentanohauses von der Familie Allendorf gepachtet worden. Die Weinberge sehen seither (auch dank einer kleine Schafherde!) wieder sehr gepflegt aus, verbrachte Flächen wurden neu bestockt.

Uli Allendorf und Max Schönleber haben den geglückten Neustart genutzt, um tief in die Schatzkammer zu greifen als Hommage an die Winkeler Weinberge, vor allem den Hasensprung, der schon seit 200 Jahren zu den besten Lagen der Region zählt. Ein auserwählter Kreis hatte die Chance, 42 Weine in 13 Flights zu verkosten. Imposant. Mit dem 2016 Goethewein ist das Weingut in jedem auf dem richtigen Weg: Trockener, straffer, präziser als das 2015er-Erstlingswerk.

Ein toller Überblick bot die Vertikale der Großen Gewächse aus dem Jesuitengarten (2013- geplant 2016), Hasensprung (1990 wow!, 2000 kaum zu glauben für den Jahrgang!, 2015 GG und 2016 geplant GG) sowie Rüdesheimer Roseneck (2010 EG… dieser Jahrgang wird ein Klassiker!!!, 2011 EG, 2015 GG und 2016 geplant GG).

Doch das war schon fast Beiwerk der Probe, wenn auch notwendig, um das aktuelle Potential der Lagen beispielhaft aufzuzeigen. Zu Sache ging es bei den alten Kameraden, darunter auch einige Brentano-Weine, die im direkten Vergleich aber gegenüber Allendorf meist blass blieben. Ein Beispiel der 1966 Hasensprung Eiswein von Brentano, der wenn nicht korkig, dann in jedem Fall muffig war, während der 1966er Edelmann-Eiswein von Allendorf sehr elegant und mit pikanter Säure glänzte. Ein anderes Bild boten die beiden Auslesen: Allendorfs 1990er Jesuitengarten leider bei längerem Luftkontakt sehr blumig, kräuterig und mit den von mir nicht geliebten Liebstöckl-Aromen, während Brentano für den Jahrgang 1985 eine ordentliche Leistung bot, recht saftig. Die Verkostung 12 Auslesen (1970, 1971, 1973 und 1976) einen fast einmaligen Blick zurück in die siebziger Jahre. Erstaunlicherweise hinterließen die 1976er und die 1973er den schwächsten Eindruck, während 1971 glänzte und 1970 die Stärken eine vermeintlich kleinen Jahrgangs voll ausspielte: Gute Säure! Mein klarer Favorit aber war die 1971 Hasensprung Auslese von Allendorf.

Der besten Flight bestand aus vier Beerenauslesen der Jahre 1971 (ganz großartig, perfekt!), 1976 (rauchig, torfig, finessenhaft, fein), 2002 (sehr gradlinig, cremige Feinheit, Eleganz) und 2015 (süßer Embryo!), den konnten trotz ihrer Mächtigkeit auch die 3 TBAs der Jahre 2003 (könnte in einigen Jahren großen Spaß bereiten) und 2011 und 2015 (beide noch viel, viel zu jung) nicht in den Schatten stellen.

Ein Höhepunkt am Rande: 2014 Höllenburg Spätburgunder GG (Finesse, Veilchen, unverkennbare Lagenaromatik!) vs. 1999 Quercus Superior (der Arnold Schwarzenegger unter den Rheingauer Pinots!) vs. 1975 Clos de Vougeot Grand Cru (so macht auch mir Bordeaux richtig, richtig Spaß!) und 1959 Assmannshäuser Spätburgunder (unfassbar frisch, elegant, kaum Säure, aber dafür berauschende, klare Frucht, herrlicher Abgang, als derart gereifter Pinot nicht erkennbar, großer Wein!)

und war war sonst noch....?

Georg Breuer, Rüdesheim

2015 Orleans – eine historische Rebsorte (wie Weißer Heunisch u.a.), die vom Weingut Breuer verdienstvoll gepflegt wird. Das ist nicht nur Nostalgie, denn der Wein ist lecker. Ein wenig rustikal vielleicht, ich würde ihn als „Bauern im Sonntagsanzug“ beschreiben, guter Zug, druckvoll, perfekt zur Vesperplatte, zu zünftiger Hausmannskost, vielleicht zum Leberwurstbrot! Zu Schinken allemal.

2016 Rüdesheim Estate Riesling – kaum zu glauben, wie früh im Jahr diesmal die Breuer-Weine schon zugänglich sind. Ein Wein mit großer mineralischer Strahlkraft, sehr präzise, geschliffen, direkt, unverblümt Riesling, große Trinkfluss, animierend!

Schloss Reinhartshausen, Erbach

Gut, dass sich Familie Lergenmüller mit Familie Balzer auf die Fortführung der Partnerschaft in der Schlossschänke Reinhartshausen geeinigt hat. Vom Ambiente und vom Speisenangebot einfach empfehlenswert. Hier kann die Seele baumeln. Bei den Weinen scheint das Weingut mit dem Jahrgang 2016 allerdings nicht eine besonders glückliche Hand gehabt zu haben. Die trockenen Literweine fallen jedenfalls eher befremdlich aus. Deutlich besser aber steigerungsfähig sind die Weine von der Insel, also 2016 Inselsatz (Auxerrois, Riesling, Silvaner), 2016 Sauvignon blanc und 2016 Weißburgunder & Chardonnay… am besten gefiel mit 2015 Weißburgunder Reserve, während es dem 2015 Chardonnay „Thanks Bob“ ein wenig an Struktur, Finesse und Schmelz fehlt.

 

Blick in die Ortenau

Ein badisches Kleinod mit einigen bemerkenswerten Winzern, das ließ einen spannende Probe ausgewählter Weine erwarten. Die Überraschung vorweg: das hochgelobte Weingut Andreas Laible „putzte“ nicht – wie nach der Buchform zu erwarten – alle anderen weg… vielmehr gefielen mir im direkten Vergleich die Weine von Andreas Männle fast durchweg besser…

Laible: 2015 Riesling „Achat“ VDP1.Lage, 2015 Riesling „Am Bühl“ VDP.GG, 2015 Chardonnay „Am Bühl“ GG

Männle: 2015 Durbacher Klingelgarten Riesling, 2015 Durbacher Bienengarten Chardonnay und 2013 Spätburgunder

Oberkircher Winzer: 2014 Weißburgunder Royal Barrique und 2014 Spätburgunder Spätlese Alte Reben

WG Durbach 2014 Spätburgunder Durbacher Kochberg

Unter dem Strich sehr bemerkenswert waren aber die beiden Weine der Oberkircher Winzer, vor allem der cremige, volle, feine Weißburgunder sorgte für eine Aha-Effekt! Hut ab! Mit 24 Euro aber auch kein Schnäppchen… Laible Chardonnay GG kostet dagegen nur 21 Euro…